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Zahlen

Von Tugay Yentur · 05.09.2026

Google KI-Übersicht: Was der Klickverlust für deutsche KMU bedeutet

Die kurze Antwort: Seit dem 26. März 2025 steht über vielen Google-Ergebnissen in Deutschland eine von der KI geschriebene Antwort.1 Wo sie erscheint, sinkt die Klickrate auf den ersten Platz deutlich, ohne dass sich am Ranking etwas ändert. Wie stark Dich das trifft, hängt vor allem an Deiner Branche: Betroffen sind zwischen 1 % und über 24 % der Suchbegriffe.2

Die Kurve knickt, das Ranking steht

Das Muster ist bei kleinen Firmen wie bei großen Websites dasselbe. Über Jahre wachsen die Besucherzahlen langsam. Dann fallen sie, ohne erkennbaren Anlass. Die Position bei Google ist unverändert, die Seite steht weiter oben, es wurde nichts gelöscht und nichts umgebaut.

Wer in dieser Lage in seine Zahlen sieht, findet das Gegenteil einer Erklärung: Die Seite wird häufiger angezeigt als vorher. Nur geklickt wird sie seltener.

Was die Zahlen sagen

Eine Auswertung von über 100 Millionen Suchbegriffen im deutschen Google-Index (Februar 2026) zeichnet dieses Bild:2

  • Bei rund 20 % der Suchbegriffe erscheint eine KI-Übersicht.
  • Wo sie erscheint, fällt die Klickrate auf Platz 1 von 27 % auf 11 %.
  • Hochgerechnet ergibt das geschätzt 265 Millionen verlorene Klicks pro Monat für deutsche Websites.
  • Je nach Branche sind zwischen 1 % und über 24 % der Suchbegriffe betroffen.2

Unabhängig davon hat Pew Research im Juli 2025 knapp 69.000 echte Google-Suchen von 900 Teilnehmenden ausgewertet, allerdings in den USA: Mit KI-Zusammenfassung klicken Nutzer in 8 % der Besuche auf ein Suchergebnis, ohne Zusammenfassung in 15 %. Auf einen Link innerhalb der Zusammenfassung klickt 1 %. Google hat die Methodik dieser Auswertung öffentlich kritisiert.3

Warum die üblichen Gegenmaßnahmen nicht greifen

Die erste Reaktion ist fast immer, das zu verstärken, was bisher funktioniert hat: mehr Inhalte, bessere Position, vielleicht eine Agentur. Alle drei Maßnahmen zielen auf den Platz in der Ergebnisliste.

Der Platz ist aber nicht das Problem. Du stehst ja oben. Das Problem ist, dass die Frage schon über Deinem Ergebnis beantwortet wurde. Wer die Antwort gelesen hat, hat keinen Grund mehr zu klicken.

Die Frage ändert sich damit von „Stehe ich oben?" zu „Komme ich in der Antwort vor?".

Was tatsächlich hilft

Maßnahme Wirkt auf Unsere Einschätzung
Bessere Position in der Ergebnisliste den Platz unter der KI-Antwort hilft weiter, aber weniger als früher
Klare, faktenreiche Antworten auf Deinen Seiten ob die KI Dich überhaupt verwenden kann die wirksamste Einzelmaßnahme
Einträge und Erwähnungen bei Dritten worauf sich die KI stützt wirkt langsam, hält dafür lange
Kanäle ohne Suchmaschine (Newsletter, Empfehlungen) Deine Unabhängigkeit unterschätzt, besonders für kleine Firmen
Fragen zu Deiner Branche regelmäßig messen Deine Entscheidungsgrundlage ohne das rätst Du

Die dritte Spalte ist unsere Einschätzung und keine Messung. Wir kennzeichnen das, weil andere es oft nicht tun.

Was dagegen spricht, jetzt in Panik zu verfallen

Zwei belastbare Quellen widersprechen sich bei der Frage, was der KI-Verkehr taugt.

Adobe hat über eine Billion Besuche auf US-Handelsseiten ausgewertet: Besucher aus KI-Diensten haben seit Oktober 2024 um 1.324 % zugenommen und kaufen 54 % häufiger als andere.4

Eine begutachtete Studie der Universität Hamburg und der Frankfurt School kommt für 973 Shops mit 20 Milliarden Euro Umsatz zu einem anderen Ergebnis: Besucher von ChatGPT machen weniger als 0,2 % des Verkehrs aus und kaufen seltener als Besucher aus der klassischen Suche.5

Beides kann stimmen. Ein Wachstum von über 1.000 % auf einer sehr kleinen Ausgangsbasis bleibt eine kleine Basis. Der Klickverlust bei Google ist real, aber der neue Kanal ersetzt ihn heute nicht. Wer sein Marketing komplett umbaut, tut das auf einer Grundlage, die die Zahlen noch nicht hergeben.

Was Du konkret tun kannst

  1. Finde heraus, ob Deine Branche betroffen ist. Gib die fünf Fragen, mit denen Deine Kundschaft Dich sucht, bei Google ein. Erscheint darüber eine KI-Antwort? Bei 1 % Betroffenheit ist das Thema für Dich klein, bei 24 % groß.
  2. Sieh nach, ob Du in der Antwort vorkommst. Nicht darunter, sondern im Text der KI-Antwort.
  3. Miss regelmäßig statt einmal. Diese Antworten schwanken, eine Einzelbeobachtung trägt keine Entscheidung.

Häufige Fragen

Was ist die Google-KI-Übersicht? Eine von Google erzeugte Antwort, die über den gewohnten Suchergebnissen steht. In Deutschland gibt es sie seit dem 26. März 2025, flächendeckend seit Mai 2025.1

Verliere ich dadurch wirklich Besucher? Bei den betroffenen Suchbegriffen ja. Eine Auswertung des deutschen Google-Index zeigt einen Rückgang der Klickrate auf Platz 1 von 27 % auf 11 %. Wie viele Deiner Suchbegriffe betroffen sind, hängt stark von der Branche ab.2

Kann ich mich aus der KI-Übersicht ausschließen lassen? Nur zusammen mit der normalen Google-Suche, und das kostet Dich weit mehr, als es bringt. Für die meisten Firmen ist das keine sinnvolle Option.

Betrifft das jede Branche gleich? Nein, und das ist die wichtigste Einschränkung. Der Anteil betroffener Suchbegriffe reicht von 1 % bis über 24 %.2

Ist Google jetzt vorbei? Nein. Google bleibt der mit Abstand größte Kanal. Der Anteil der Besucher, die über KI-Dienste kommen, liegt in einer begutachteten Auswertung unter 0,2 %.5

Quellen

Quellen zuletzt geprüft am 11.08.2026


  1. t3n: „Google startet neue Such-Funktion: AI Overviews kommen nach Deutschland", Fachartikel, 26.03.2025. Zur Quelle (abgerufen am 11.09.2026)  

  2. Sistrix: „AI Overviews in Deutschland: So stark sinken die Klickraten wirklich", Studie, 25.02.2026, über 100 Millionen Suchbegriffe im deutschen Google-Index. Zur Quelle (abgerufen am 11.09.2026)     

  3. Pew Research Center: „Google users are less likely to click on links when an AI summary appears in the results", Studie, 22.07.2025, 68.879 echte Google-Suchen von 900 Panel-Teilnehmenden, USA. Zur Quelle (abgerufen am 11.09.2026) 

  4. Adobe: „AI-Driven Traffic Surges Across Industries", Studie, Juni 2026, über 1 Billion Visits auf US-Retail-Sites. Zur Quelle (abgerufen am 11.08.2026) 

  5. Marketing Science (Universität Hamburg & Frankfurt School): „Peer-reviewed Studie zu ChatGPT-Referral-Traffic (973 Shops)", Studie, April 2026, 973 Shops, 20 Mrd. € Umsatz. Zur Quelle (abgerufen am 11.08.2026)